Anlagenschema und Technik

Anlagenschema und Technik

des Wärmekraftwerks Theiß.

Das Kraftwerk Theiß

repräsentiert nach seiner Modernisierung den aktuellen Stand der Kraftwerks- und Umwelttechnik. Mit seinem hohen Wirkungsgrad und exzellenten Umweltwerten stellt es ein nachhaltiges und effizientes Standbein der gesamten EVN Erzeugungsanlagen dar.
 

Kraftwerksblock A

Block A ist ein Grundlastblock. Wenn notwendig kann dieser auch nur in Teillast betrieben werden, da er auch hier gute Effizienzwerte vorweist. Der als Zwangsdruchlauferhitzer konzipierte Dampferzeuger mit Zwischenüberhitzung wird mit einem 162 MW Kondensationsturbosatz gekoppelt und den jeweiligen Lastzuständen in Gleitdruck angepasst.

Der Einzug-Dampferzeuger wird mit einer Überdruckfeuerung ohne Saugzug betrieben. Die zwölf kombinierten Erdgas-Schwerölbrenner sind in vier Horizontalebenen frontal mit einer sogenannten Boxerfeuerung angeordnet. Der erzeugte Dampf wird der Turbine nach dem Hochdruckteil entnommen und dem Dampferzeuger zur Zwischenüberhitzung zugeführt. Der wiederum erhitzte Dampf wird in der Mitteldruck- und Niederdruckturbine abgearbeitet und anschließend im Kondensator wieder dem Wasser-Dampfkreislauf zugeführt.

Zur Abkühlung des im Kondensator verwendeten Wassers wird Donauwasser entnommen und über den Kondensator in die Donau rückgeführt. Anzapfungen dienen zur Kondensat- und Speisewasservorwärmung, um den Wirkungsgrad zu erhöhen. Der Block wird mit Erdgas betrieben, kann jedoch auch mit Schweröl gefahren werden. Diese Fahrweise ist jedoch nur für den Notfall vorgesehen, wenn es zu Lieferengpässen der Gasversorgung in Niederösterreich kommen sollte.
 

Kombiblock B inklusive Gasturbine M5

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Der Block B wurde ursprünglich als Schnellstartblock mit hohem Teillastvermögen konzipiert. Er kann trotz Verschaltung zum Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) Kombiblock immer noch im Solobetrieb gefahren werden. Da Block B ein "Schnellstarter" ist, besitzt er keine Zwischenüberhitzung wie Block A. Der Zwangsdurchlaufdampferzeuger erzeugt den Hochdruckdampf, welcher die Dampfturbine Maschine 3 versorgt. Der an diese Dampfturbine gekoppelte Generator speist in das Netz der EVN Netz NÖ ein.

Der Kombiblock wiederum arbeitet - wie der Name bereits verrät - im Kombi/Verbundbetrieb. Der eingesetzte Brennstoff wird hier gleich doppelt genutzt. Dazu wurde dem Dampferzeuger des Block B in der Modernisierungsphase von 1998 bis 2000 eine hochmoderne Gasturbine vorgeschaltet, diese wird als Maschine 5 (M5) bezeichnet.  Ein Teil der Abgase dieser Gasturbine dient als "Verbrennungsluft" für den Dampferzeuger, der Rest der Abgase wird in einem Abhitzedampferzeuger für eine zusätzliche Dampferzeugung verwendet.

Im Betrieb wird zunächst Erdgas in der modernen Gasturbine verfeuert. Diese Turbine treibt direkt einen Generator zur Stromerzeugung an. In der Folge durchströmen die Verbrennungsgase teils den parallel zum Zwangsdurchlaufkessel des in Block B angeordneten Abhitzedampferzeuger und teils den konventionellen Dampferzeuger des Block B. In diesem werden - wie bisher - zusätzlich Öl oder Gas verfeuert. Der Dampf, der von beiden Dampferzeugern erzeugt wird, treibt dann die bereits vorhandene Dampfturbine Maschine 3 zur Stromerzeugung an. Das Schweröl dient auch hier zur Notversorgung des Kraftwerks. Das Kraftwerk wird überwiegend mit Erdgas gefahren.

Rauchgasreinigung

Zur Reinigung der entstehenden Rauchgase aus dem Kraftwerk ist eine mehrstufige Rauchgasreinigung installiert. Eine Entstickungsanlage entfernt mit einem Katalysator die Stickoxide aus den Rauchgasen der Dampferzeuger. Bei Betrieb mit Schweröl entfernt die nachgeschaltete, installierte Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) die entstehenden Schwefeldioxide unter Zugabe von Kalk aus dem Rauchgasstrom. Dabei entsteht ein trockenes gipshaltiges Pulver, das sogenannte Rauchgasentschwefelungsprodukt (REA-Produkt). In dieser Anlage ist ebenfalls nur im Notfallbetrieb Schweröleinsatz erforderlich.

Bei Erdgasbetrieb ist sie nicht in Betrieb, da das eingesetzte Erdgas schwefelfrei ist. Die Staubpartikel, die bei dieser Abscheidung zusätzlich anfallen, werden mit hochwirksamen Staubfiltern abgeschieden.

Fernwärme

Zusätzlich bestehen bei diesem Block die technischen Voraussetzungen zur Wärmeauskopplung für das Fernwärmesystem, sodass 60 MW Fernwärmeleistung für die umliegenden Gemeinden und Betriebe bereitgestellt werden können. Dazu wird Wärme aus der Dampfturbine und dem Abhitzedampferzeuger verwendet.

Insgesamt ermöglicht diese Anlagenkombination einen sehr hohen Nutzungsgrad, der mit über 60% auch international zum Spitzenfeld zählt. Darüber hinaus zeichnet sich die Anlage durch hohe Erzeugungsflexibilität aus und bildet damit einen wertvollen Baustein in der Eigenerzeugung für den EVN Konzern.